0412 – Training Canigou

 


Trainingswoche


Mallorca ist groß. Größer als Deutschland. Viele Stiere soll es geben. Auch gute Fußballer. Und, natürlich auch Rennfahrer. Natürlich, jawohl auch Rennradfahrer.  So wie wir. Also auf geht’s.

Zu Mallorca gehört auch Spanien. Oder ist es umgekehrt? Egal.

Weil, wir waren schon so oft auf Malle, da müsste es mal was anderes sein. Horst kennt sich auf Malle mindestens so gut aus wie zwischen Griesheim und Pfungstadt. Auf ganz Malle natürlich. Er wird jedes Jahr in Petra erwartet. Die hatten dann in dem Jahr wohl ein Problem. Horst kam nicht.

Also in die andere Gegend die auch zu Malle gehört. Spanien.

Es wurde ein Anbieter gefunden. Canigou. Eine ganz tolle Homepage von denen und nur Lob von den Teilnehmern. Soll ne super Gegend sein, man kann flach und hügelig bis bergig fahren.

Horst wie immer der Reiseleiter und Organisator. Alles ganz super und ohne jegliches Problem gemacht. Danke dafür, super Leistung. Perfekt gemacht.

Die sich hinter dem Namen verbergende Organisation in Spanien lässt sich aus Ferne nicht wirklich beurteilen. Jedoch hatten wir eigentlich keine Probleme zu erwarten, es wurde streng nach den Geschäftsbedingungen des Unternehmens angezahlt, restgezahlt und nicht rabattiert.

Wir sind zu 9t. Leider keine Dame dabei in dem Jahr. Alles Jungs. Zumeist schon ein wenig alte Jungs. Zwei junge Jungs waren auch dabei.

Wie in den letzten Jahren schon sind wir sehr individuell.  Starten wir um 10, 10:30, um elf oder mal schon noch früher? Vor 10 schon? Nee, lieber nicht. Alles schön langsam angehen. Man kann ja nach dem Frühstück nicht sofort aufs Rad. Das kullert dann noch so im Magen und rumort. Man fährt dann so unrund.

Die gewählte Strecke für den nächsten Tag wird am Abend festgelegt. Am nächsten Morgen beim Frühstück wird natürlich noch einmal umgeplant.  Diese Planung hält oft bis zum Treffen zum ausgemachten Zeitpunkt vor dem Hotel. Wir sind dynamisch. Also man könnte doch auch so fahren oder so. Da gibt es auch eine schöne Strecke. Manchmal sind wir auch getrennt gefahren. Das ist auch nicht schlimm. So kann man das eigene Tempo wahllos variieren und muss sich nicht der Gruppe anpassen. Man kann auch bei anderen Gruppen mitfahren. Die bleiben den ganzen Tag zusammen in einer Gruppe. Aber das ist ja langweilig. Nix für uns.

Wir fahren dann doch los. Grundsätzlich haben wir sowieso oft und schnell viel Hunger. Meistens geht es aber doch locker so 30 bis 35 Kilometer ohne Pause flott voran. Man versucht manchmal  das gewählte Tempo der Gruppe zu forcieren. Das kann so weit führen, dass es mehre Gruppen in der Truppe gibt. Meistens haben wir uns jedoch immer wieder zusammen gefunden.  Fast immer. Spätestens da, wo es was zum Futtern gibt.  Pausen müssen auch dafür erfunden sein.

Manchmal glaubt man, dass man schon ganz schön fit ist. Dann gibt man halt richtig Gas und fährt mal der Truppe davon. Das geht ganz gut an einem Berg. Da kann man dann bald meistens ganz leicht spüren, dass das gewählte Tempo zu hoch war. Also zurückfallen. Hinter der Truppe herfahren.  Es gibt ja meistens einen der setzt sich mit seinem breiten Kreuz davor und zieht den Ausgebrannten über die Gass. Aber es naht ja Hilfe. Essen. Danach gibt es eine zweite Chance. Man hat gegessen und kann doch mal probieren ob man jetzt endlich der Truppe davonfahren kann. Bald ist man weg. Da denkt manch anderer sich, was hat er denn gegessen? Das muss er uns erzählen. Doch die Wirkung lässt unversehens nach. Wieder werden die Beine schwer. Wieder hinterher fahren, wieder einen finden der vorkämpft um zum Hotel zu kommen.

Man soll ja auch schlafen. Am nächsten Tag probiert man es dann noch einmal. Komisch, auch das dritte Mal klappt es nicht. Ich glaube wir brauchen einmal einen Fachmann. Evtl. kann er uns helfen.  Wäre doch schön.

Ansonsten war es auch sehr schön. Das Hotel lag günstig und ruhig. Die Zimmer waren modern. Das Essen war gut. Es gab auch viel Engländer in dem Hotel. Die sind auch recht lustig. Meistens aber nicht.

Am Abend haben wir dann ein Bierchen oder einen roten Wein geläppert. Oder noch einen regionalen Schnaps dazu gemischt. Nach dem guten Essen fast Pflicht.

Die Straßen in Spanien sind überwiegend gut. Jedenfalls oft besser als bei uns. Da es Spanien viele Rennfahrer gibt, hat man ganz viele Kreisverkehre. Manchmal auch an Stellen wo es ganz wenig Verkehr gibt. Da kann man dann schön üben. Ohne auf Vorfahrten zu achten schnell durchbrausen. Immer auch eine Chance nutzen sich mal kurz von der Truppe abzusetzen. Schwindel durch Kreiseln.

Wir fuhren manchmal meistens nach einem zur Verfügung gestellten Navi. Da wurde dann eine bestimmte Tour angewählt und man konnte dann danach fahren. Das ist eine super Sache.  Aber irgendwie auch total langweilig. Da kann man an Verzweigungen einfach weiterfahren. Man braucht nicht anhalten und eine Karte zur Hilfe nehmen. Es macht aber auch Spaß beide Varianten zu mischen.

Das geht dann so: Mann verlässt an einer bestimmten Stelle die vorgesehene Route. Das Navi weiß dann immer noch ganz genau wo man ist. Nämlich nicht mehr auf der Route. Aber wir haben ja Karten dabei. Also an der nächsten Abzweigung mal schauen wo wir uns sonst noch rumschleichen können. Schlenker einbauen heißt das bei uns. Ein Navi ist also eigentlich so ein neumodisches Zeug, meistens völlig überflüssig. Macht nix, es hat ja auch nur einer das Navi. Auch schwer abzulesen, da keine Straßen angezeigt werden. Manchmal musste nach wenigen Metern umgekehrt werden, weil eben keine Straßen angezeigt werden. Das nervt schon mal. Aber die Mischung (mal mit, dann wieder ohne) macht richtig Spaß. Da kommt jeder zu seinem Recht.

So verging die Woche doch sehr abwechslungsreich. Sturm bei Isabelle hatten wir, schon fast gefährlich. Fuhren so manchen Berg hoch und ans Meer, davon gibt es viel. Wir waren in Frankreich auch da am Meer. Auf der Küstenstraße mit herrlichen Aussichten. Am östlichsten Punkt des Festlandes auch beim bei Salvatore Dali. Ein verstecktes Kloster wurde besucht, einsame Fischerdörfer luden uns ein. Wozu? Natürlich zum Essen.

Wir fuhren ca. 600 Kilometer. Meistens im Schnitt von um die 20 und einem Ausreißer bei 26. Es waren auch weit über 4000 Höhenmeter dabei.

Und am Nachmittag auf dem Heimweg zum Hotel machten wir es uns auch ein paar Mal ganz einfach. Wenn es zu lang schien, rauf auf die Autobahnähnlich ausgebaute Schnellstraße und auf dem flottesten Weg zurück. Alles erlaubt.

Am Freitagabend wurde bei der Rückgabe der Kaution für geliehenes Material  vom Veranstalter versucht ein Bild des Geschäftsführers zu machen. Dazu schaltete sich der Blitz des Fotoapparates automatisch ein. „I have been blinded“ sagte er dann. Löschen Sie bitte das Bild, ich möchte nicht, dass von mir Bilder gemacht werden, meinte er. So wird man halt manchmal getäuscht oder gar enttäuscht im Leben.  Es ist üblich, dass unter Radfahrern das „Du“  gebraucht wird. Am Schluss, wo dann alles erledigt war, kam dann das „Sie“ bei dem Menschen wieder hoch. Ein wenig überrascht waren wir schon vom Gebaren des Veranstalters.

Aber auch wir vom TuS können und sollten unbedingt noch lernen, sonst macht es bald nicht mehr so viel Spaß miteinander.  Man hat uns einmal vor Jahren  „Ein Rad fahrender Kegelverein“ getauft. Radfahren macht Spaß, Kegeln kann auch Spaß machen. Beides zusammen zu verbinden kann auf Dauer kein Spaß sein.

Individuell soll und darf und kann oder muss jeder sein und vor allem auch bleiben. Das sind Salz und Pfeffer in der Supp.  Das wir dieses untereinander akzeptieren ist ein Erfolgsgeheimnis bei uns im TuS. Aber das Zusammensein oder besser noch „Zusammenbleiben“  ist auch wichtig. Wenigstens manchmal beim „Training“. Zurückstellen der eigenen Wünsche  und damit Anpassung an die Truppe und Zusammenbleiben im Verband ist dann kein Negativverhalten.  Und: Man muss auch nicht über 1.000 Kilometer von Griesheim wegfahren, viel Geld ausgeben um dann dort bis 11 Uhr zu relaxen. Zeit dazu bleibt in 51 Wochen pro Jahr zu Hause oder anderswo. Evtl. dann bald auch mit anderen oder auch alleine? Dann wird es aber ganz schnell annersder.  Denkt auch mal darüber nach. Bitte.

Das war dann auch die Zusammenfassung einer sportlichen Trainingswoche in Spanien, einem Teil von Mallorca.

 

Enno